Aktuell

Bauma (26.01.2019)

Bereits im Frühjahr 2018 wurden wir vom DVZO angefragt, ob wir nicht im 2019 einmal mit unserer Lok ins Zürcher Oberland kommen wollten aus Anlass ihres 50 Jahre-Jubiläums. Sie wünschten sich an jedem ihrer Fahrtage in der Saison 2019 einen Gastzug von einem anderen Verein. Irgendwie liess sich aber kein passendes Datum finden, an dem die Tösstalstrecke der SBB durchgehend geöffnet war. Somit hätten wir Tender voraus wieder über Winterthur bis Bülach oder Zürich Seebach zurückfahren müssen. Aus diesem Grund hatten wir die Fahrt nach Bauma eigentlich schon abgeschrieben. Bei einem zufälligen Kontakt im November 2018 erfuhren wir dann, dass der DVZO Ende Januar ein Winterdampf-Wochenende plante. Sofort die Frage unseres Betriebsleiters: «braucht ihr da nicht einen Gastzug?». Die Antwort lautete: «ja, sehr gerne!». Und im Tösstal hatten die Bauarbeiten noch nicht begonnen, die Rundfahrt über die landschaftlich reizvolle Strecke konnte also durchgeführt werden. Nun galt es, geeignete Wagen mit Dampfheizung für diese Fahrt zu finden, nachdem der Swiss Classic Train nach Vallorbe verschoben und die Mietpreise massiv erhöht wurden. Schliesslich konnten uns die Kollegen vom Verein Historische Emmentalbahn (VHE) aus der Patsche helfen mit ihren nostalgischen Plattformwagen. Zusätzlich führten wir nach längerer Zeit erstmals wieder den CIWL-Speisewagen 2749 mit, welcher früher in der Region Bern beheimatet war und heute von der Dampfgruppe Zürich betreut wird. Winterdampf in eine Region von etwa 800 Metern Höhe – ob das in Zeiten des Klimawandels etwas wird? Und ob! Das Mittelland präsentierte sich am 26. Januar zwar noch grün, und das Wetter eher grau. Gleichwohl stiegen knapp 100 Fahrgäste in Lyss, Olten und Brugg zu und genossen die Fahrt Richtung Zürcher Oberland in den gemütlichen Wagen mit den Holzbänken – Nostalgie pur! Gleichzeitig musste das Zugpersonal stets einen Blick drauf werfen, dass sich während der Fahrt niemand auf die offenen Plattformen begab. Bei Geschwindigkeiten bis 100 km/h wäre das schlicht zu gefährlich und deshalb verboten. Nach Winterthur gewann der Zug der Töss entlang stetig an Höhe und siehe da, plötzlich wechselte die Szenerie. In Bauma angekommen, herrschten richtig winterliche Verhältnisse! Unser Zug wurde in die historische Bahnhofshalle rangiert, und dort hiess es umsteigen auf den bereitstehenden Extrazug des DVZO nach Bäretswil. Die 01 202 ist zu schwer, um diese Strecke mit dem Viadukt bei Neuthal zu befahren. Flugs wurde ein zusätzlicher Wagen angehängt, als die Zürcher Kollegen die grosse Zahl Fahrgäste realisierten – eine solche Spontaneität ist bei der modernen Eisenbahn undenkbar. Zusatzbremsprobe gemacht, ein Pfiff – und schon ging es auf die Strecke, die tags zuvor mit Dampf vom Schnee geräumt wurde! Der Skilift kurz vor Bäretswil war in Betrieb und unser Zug legte dort einen Extrahalt ein. In Bäretswil umfuhr die Lok, am Regler übrigens ein Exil-Berner, den Zug für die Rückfahrt nach Bauma. Dort angekommen, konnten unsere Fahrgäste bei einem Apéro in der Bahnhofhalle das historische Ambiente geniessen und die wunderschön restaurierten Fahrzeugen des DVZO nochmals bewundern, bevor es ins Restaurant zum Mittagessen ging. Am Nachmittag bezwang die 01 202 die letzte grössere Steigung im Tösstal und fuhr über Rapperswil und dem Zürichsee entlang zurück Richtung Heimat. Ende Januar wird es früh dunkel, in den wohlig geheizten Plattformwagen und im CIWL wurde es nochmals richtig gemütlich.